Romme spielen

Aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten kam das Romme nach Deutschland, das jenseits des Ozeans den Namen Rummy führt. Man spielt es zur Zeit in Deutschland in zwei Formen. Die leichte ist sehr gut geeignet, um sich überhaupt schnell mit den Grundgedanken des Spieles vertraut zu machen; die zweite, schwierige Art ist mit manchen zusätzlichen Regeln ausgestattet worden, um auch den verwöhnteren Spieler zum Freund des Romme zu machen. Während das Spiel in seiner leichteren Form ein ausgekrochenes Damen- und Kränzchenspiel sein sollte, bietet die zweite Art so schöne Überraschungen und Kombinationsmöglichkeiten, daß man sich hier schon mit größerer Aufmerksamkeit ans Werk machen muß.

Was wird zum Romme spielen gebraucht? Zwei Spiele französischer Karten zu je 53 Blatt. Man kann also die normalen Bridge-Karten verwenden, die ja heute stets mit dem "The Jolly Joker" geliefert werden. Auf diese beiden Joker kommt es nämlich im Romme an. Benötigt werden also insgesamt 106 Btatt. Drei bis acht Personen können an dem Spiel teilnehmen. Die Regeln sind denkbar einfach, soweit es sich um die erste Spielart handelt, und sollen hier kurz an Hand eines durchführten Spieles erläutert werden. Die Spieler beginnen so, daß alle verdeckte Karten ziehen. Wer das höchste Blatt erhalten hat, muß die Karten geben und kann sich seinen Platz am Tisch wählen. In der Reihenfolge, die durch die im Wert fallenden Karten bestimmt worden ist nehmen die anderen Spieler am Tisch Platz. Dann gibt Spieler A von den zuvor gemischten beiden Kartenspielen so viele Blätter einzeln aus, daß jeder Spieler zehn Blatt bekommt, außerdem aber Spieler B, der hinter A sitzt, noch eine zusätzliche Karte, also insgesamt elf. Bei vier Spielern soll sich nach der Austeilung der Karten folgendes Bild ergeben:

Romme spielen

Der Wert der einzelnen Kartenblätter beträgt As = 11, König, Dame, Bube und 10 je 10 Punkte, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 jedesmal den Wert, den die Ziffer angibt. Über den Joker wäre zu sagen, daß er für jede andere Karte eingesetzt werden kann, sein Wert bleibt aber in jedem Falle 11 Punkte.

Der Sinn des Romme-Spieles liegt nun darin, möglichst schnell Sätze oder Sequenzen zu bilden. Unter einem Satz versteht man mindestens drei Karten von gleichem Rang. Hat man wie Spieler D drei Asse in seiner Hand, so bilden die einen Satz. Es ist aber auch möglich, einen Satz in der Weise zu bilden, daß man wie Spieler B die beiden Damen aus Pik und die Herz-Dame verwendet. Zu einem Satz werden also in den meisten Fällen Karten gleichen Ranges, aber verschiedener Farbe zusammengestellt. Nur wenn man den Joker einsetzt, ist es möglich, z. B. aus zwei Herz-Sieben und dem Joker, also aus Blättern gleicher Farbe, einen Satz zu bilden.

Eine Sequenz ist eine Reihe gleichfarbiger Karten in lückenloser Rangfolge. Die zeigt uns Spieler C in Karo. 9, 10 und Bube bilden eine Sequenz. Auch hier sind drei Blatt die Mindestsorderung. Eine Einschränkung in der Zahl nach oben gibt es nicht. Eine Sequenz könnte im äußersten Fall aus 26 Blatt bestehen, nur theoretisch, weit ja kein Spieler mehr als 10 Blatt in die Hand bekommt, denn die Farben bilden in sich geschlossene Kreise, an König und As schließt wieder die 2 an. Es ist aber ganz ausgeschlossen, daß man eine Sequeuz unter Zuhilfenahme aus Blättern anderer Farben bilden könnte. Es dürfen selbstverständlich auch nicht Rot und Rot und Schwarz und Schwarz als gleichwertig angesehen werden, sondern man hat streng zwischen Herz und Karo einerseits und Treff und Pik anderseits zu unterscheiden.

Hat der Spieler nun einen Satz oder eine Sequenz erhalten, so kann er die entsprechenden Karten offen auf den Tisch legen. Das nennt man "ablegen". Abgelegte Karten zählen nicht mehr für die Hand, die sie zuvor gehalten hat. Hat ein Mitspieler nur noch Blätter im Wert von 9 Punkten in der Hand, kanu er Romme ansagen und ist damit Gewinner dieses Spielabschnittes. Hält er noch Blätter mit insgesamt 10 Punkten, oder nur eine 10, so ist ihm das Romme-Sagen noch verwehrt.

Um nun die in den meisten Fällen anfangs noch nicht kompletten Karten als Satz oder Sequenz vervollständigen zu können, wickelt man das Spiel in folgender Weise ab. Spieler B, der als erster Mann 11 Blatt erhalten hat, legt eine Karte offen neben den in der Tischmitte verdeckt liegenden Kartenblock. In unserem Falle würde das der Treff-König sein. Gleichzeitig legt B die Pik-, Herz- und Karodame offen aus, er legt seinen ersten Satz ab. Pik-As behält er in Gemeinschaft mit Pik-Dame, weil er hier vielleicht noch durch den Pik-König eine Sequenz erhalten könnte. Sollte sich diese Berechnung als trügerisch erweisen, hat B immer die Möglichkeit, noch nachträglich die zweite Pik-Dame an den Satz der Damen anzulegen. Spieler C hat nun das Recht, entweder die oberste Karte vom Block oder von der offenliegenden Reihe zu nehmen, muß dann aber die elfte Karte aus seinem in der Hand gehaltenen Blatt ablegen, natürlich wird das eine Karte sein, die seine Kombinationen stört. Spieler C nimmt hier den Treff-König von B und legt den Satz Treff-König, Treff-König, Karo-König und die Sequenz Karo 9, 10 und Bube ab. Weiter legt er neben den Block die ihm wenig passende Karte Pik-As. Auch dieses Blatt wird sofort von D hereingenommen, der nun den Satz Pik-, Herz-, Karo- und Treff-As und den Satz Pik-, Herz- und Karo-Bube ablegt und auf den Block Treff-Dame gibt. A zieht vom verdeckt liegenden Block den Pik-König, ergänzt seine Sequenz in Pik durch den Joker als Pik-Dame und legt diese Sequenz ab und gibt Treff-Bube offen neben den Block. Für B kommt nun eine gute Gelegenheit. Zunächst kann er den Joker bei A in Übereinstimmung mit den Regeln durch Pik-Dame auswechseln, also durch die Karte, für die man Joker eingesetzt hat, dann nimmt er Treff-Bube aus der Tischmitte, ergänzt damit seine Sequenz in Treff, legt sie ab, vervollständigt mit dem Joker die Sequenz in Karo und legt auch die ab, schließlich gibt er die Karte Pik-As als abzulegendes erstes Blatt neben den Blockt Theoretisch wäre es ihm jetzt schon möglich, Romme anzusagen, aber da er noch eine Karte ausgenommen hat, muß er noch eine Runde warten. C hebt Treff-2 vom Block und gibt Herz-5 zur Mitte, D findet Karo-3 und legt Treff-8 weg, A findet Herz-3 und gibt Karo-As zur Tischmitte. Jetzt ist B so weit, daß er Rommme sagen kann. Dafür erhält B eine Prämie von 10 Punkten, abzüglich der Punkte, die noch in seiner Karte sind (in diesem Falle 6), die anderen Spieler werden mit den Punkten belastet, die man erhält, wenn man die in den einzelnen Händen noch vorhandenen Blätter zusammenzählt. Das sind bei C 20 Punkte, bei D 13 und bei A 36. Jedem Spieler wird diese Summe mit dem entsprechenden Vorzeichen (B erhält z. B. +4) angeschrieben. Hat ein Spieler die Minuszahl 100 überschritten, ist das Spiel zu Eude.

Das ausgebaute Romme-Spiel

Es unterscheidet sich zunächst rein äußerlich vou der leichteren Spielform dadurch, daß jeder Spieler 14 Blatt erhält. Der nächste Mann nach dem Geber erhält beim Verteilen der Karten ebenfalls ein Blatt mehr, also 15 Blatt, von denen er aber sofort eines offen neben den Kartenblock in der Mitte des Tisches zu legen hat. Wichtiger als diese rein äußerliche Unterscheidung sind aber die Veränderungen der Spielregeln. Es handelt sich selbstverständlich auch hier darum, wieder Satz und Sequenz zu bilden, aber schon dabei sind verschiedene Unterschiede im Vergleich zur ersten Spielart geschaffen worden. Am besten wird es sein, auch hier an einem praktischen Beispiel das ausgebaute Romme-Spiel zu zeigen. Die Karten wurden so verleilt:

Romme spielen - Ausgebautes Romme-Spiel

B hat 15 Karten erhalten und legt Pik-König hinaus. Im Gegensatz zum ersten Spiel darf C diese Karte, die wieder offen neben den Block gelegt wird, nicht nehmen, sondern jetzt müssen ausnahmslos alle Spieler so lange vom verdeckten Stapel nehmen, bis jeder von ihnen Sätze oder Sequenzen im Wert von 50 Punkten ausgelegt hat. Wer das getan hat, ist berechtigt, auch die offenliegende Karte zu nehmen, wenn sie ihm paßt. Ehe der einzelne Spieler nicht die ganze Gruppe von mindestens 50 Punkten ausgelegt hat, darf er überhaupt keinen einzelnen Satz oder eine einzelne Sequenz mit niedrigerem Wert zeigen. C zieht als nächstes Blatt Herz-5 und legt jetzt Treff-König, Dame, Bube und Herz-5, 6, 7 mit einem Gesamtwert von 59 Augen aus. Herz-Dame kommt auf den Stapel. D bekommt beim Ziehen Karo-Bube und kann jetzt ebenfalls 50 auslegen, nämlich die Sequenz Karo-9, 10, Bube, Joker, König und As, die einen Wert von 61 Augen hat. D legt Herz-7 ab, A zieht Karo-10, ein günstiges Blatt, kann aber noch nicht auslegen, weil er die 50 nicht voll hat. Satz oder Sequeuz müssen nämlich in jedem Falle mindestens 3 Karten umfassen. A gibt Herz-9 weg. B zieht Treff-7, tauscht bei D den Joker mit der Karo-Dame aus, was ebenfalls erst möglich ist, wenn man vorher oder im gleichen Spielmoment 50 auslegt. B legt dann Treff=7, 6, 5, 4 = 22 Augen und Joker, Pik-l0 und Rot-10. Der Joker zählt hier nur den Wert der Karte, für die er eintritt. Das ist eine 10. Also insgesamt 52 Augen, die B auflegt. B gibt Treff-Dame auf den Stapel. C zieht Herz-As. Legt Treff-8 und 9 bei B an und gibt Herz-As auf den Stapel zurück. Nach den Regeln hat jeder Spieler das Recht, passende Karten aus seiner Hand bei anderen Spielern anzulegen, wenn er schon 50 ausgelegt hat oder gerade im Begriff ist, das zu tun. D erhält beim Abnehmen Karo-8, die ihm wenig paßt. Er legt Herz-Dame ab. A ist an der Reihe und hat eine sehr glückliche Hand. Er zieht zunächst und findet den zweiten Joker. Dann tauscht er mit Karo-10 und Treff-10 den ersten Joker bei B aus. Man merke sich, daß das Austauschen eines Jokers aus einem Satz nur dann möglich ist, wenn man den Satz durch die fehlende Farbe oder Farben aus vier ergänzt. Im Gegensatz zur ersten Spielart dürfen nämlich im ausgebauten Rommespiel nur Sätze aus verschiedenfarbigen Karten zusammengestellt werden. Diese Austauschkarten zählen aber nicht für das Auslegen der 50. A legt jetzt auf Treff-König, Herz-König und Joker. Pik-5, 6, 7, Pik-10, Bube, Joker und Treff-3, 2 bei B, Herz-4, 3 bei C schließlich noch Treff-5 auf den Stoß. Das Spiel ist zu Ende. Es ist hier unerheblich, ob A die Möglichkeit gehabt hätte, schon früher auszulegen. Ein Zwang dazu besteht nicht. Ein Spieler, der das Auslegen hinauszögert, läuft allerdings Gefahr, daß er mit seinen Karten sitzenbleibt und dann alles abrechnen lassen muß, was in seiner Hand vorgefunden wird. Joker zählt in diesem Falle sogar 20 Punkte. Auch für das As ist noch eine abweichende Bewertung möglich. Läßt man nämlich eine Sequenz mit As, 2, 3 beginnen, so zählt das As nur einen Punkt. Weiter muß noch erwähnt werden, daß es nicht mehr möglich ist, eine Sequenz so zu bilden, daß sie über König-As zur 2 läuft. Die Sequenz muß also mit dem As beginnen oder enden. Als fernere, abweichende Bestimmung ist die zu nennen, daß nur in einem Falle die Ausnahme gestattet ist, von dem Zwang, stets eine Karte abzulegen, abzugehen. Das geschieht, wenn jemand zwei gleiche Karten für einen Satz, also Pik-Bube und Herz-Bube in der Hand hat. Zieht er jetzt vielleicht noch Karo-Bube dazu, so kann er alle drei Karten auslegen, braucht aber keine Karte mehr auf den Stapel zu legen.

Die wichtigste Abweichung vom einfachen Romme bedeutet die Regel, daß man für die Bildung eines Satzes von drei gleichen Karten nicht mehr die beiden gleichen Karten einer Farbe verwenden kann. Will man drei Asse ablegen so müssen das drei Asse verschiedener Farbe sein; zweimal Pik-As zu verwenden ist ganz ausgeschlossen!

Durch das resttose Auslegen von A war das Spiel zu Ende. Dieser Spieler bekommt hier keine Prämie, sondern schreibt eben nichts an, den anderen Partnern werden die Punkte angeschrieben die die in ihrer Hand vorhandenen Karten ergeben. Ist es einem Spieler nicht gelungen, von seinen 14 Karten überhaupt eine Gruppe abzulegen, so schreibt man ihm nicht den summierten Wert, sondern nur die runde Summe von 100 Punkten an. Das ist manchmal mehr und manchmal weniger als in seiner Karte vorhanden war.

Auch die Größe der Partie unterscheidet sich von der in der eingangs beschriebenen Spielart. Im ausgebauten Romme kann man bis 300 oder 500 Punkte spielen lassen, je nachdem, ob man viel oder weniger Zeit zur Verfügung hat.